Baden und Leiden im Paradies

Hier melden wir uns immer noch aus Vang Vieng. Wir hatten eigentlich nicht vorgehabt, so lange zu bleiben aber wir sind uns alle einig, dass es uns hier zu gut gefällt (und jetzt ist Sandi außerdem noch krank, so dass wir die Abfahr verschoben haben). Raphael liebt das Baden in den Flüssen, Philipp ist ein begeisterter Höhlenforscher und die Eltern sind rundum glücklich mit so glücklichen Kindern und haben bei den Temperaturen nichts gegen ein Bad in einem der zahlreichen Flüsse einzuwenden.

Aus unserer Fahrradtour vorgestern wurde es leider nichts, da es Sandi nicht gut ging. Die Kinder und ich haben also den Vormittag im Garten unserer Unterkunft mit Schokoladenpfannkuchen, Kokosnuss trinken und Uno spielen verbracht, während Sandi gelitten hat. Wir haben zwei der Kinder der Besitzer (ich habe noch nicht so ganz ergründen können, wie viele Kinder es insgesamt sind und welche eigentlich wo hin gehören) Uno beigebracht und so in richtig großer Runde gespielt. Die beiden Jungs sind sechs und vier Jahre alt und ich war ganz begeistert davon, wie schnell sie das Spiel verstanden haben und vor allem davon, wie schnell der kleinere der beiden auch raus hatte, wie man dabei schummeln kann...

Nachmittags ging es Sandi besser und wir sind runter zum Fluss, um uns abzukühlen und Steine zu schmeißen, eine Beschäftigung, der Raphael auch bei 35 Grad und in der Sonne stehend stundenlang nachkommen kann.

Der Fluss führt im Moment nicht besonders viel Wasser, so dass man mitten im Fluss sitzen und zuschauen kann, was da so alles an Dorfleben an einem vorbeizieht.

Eine alte Frau mit einem großen Korb auf dem Rücken, auf dem Weg in die Stadt, die ihren Rock hochrafft und mit ihren Flipflops durch den Fluss watet, mitten drin stehen bleibt, sich Wasser über den Kopf gießt und langsam weiterzieht. Oder das Ehepaar, das mit dem Moped ankommt. Shampoo in der Hand und dann wird sich im Fluss gewaschen. Der Mann in Badehose, die Frau natürlich lang angezogen, wobei es schon nach spezieller Badekleidung aussah, die nach dem Bad zum Trocknen aufgehängt und etwas anderes angezogen wurde. Normal gehen die Leute ja einfach baden wie sie gerade sind und dann nass nach Hause. Dann gab es noch nackige kleine Kinder, die im Wasser rumgesprungen sind und vor Freude gejuchzt haben, große Jungs, die mit Waschmittel anrückten, um ihre Hemden zu waschen. Bauern, die ihre mit Zuckerrohr beladenen Karren durchs Wasser zerren und Mädchen, die kommen, um Raphaels weiße Haut zu bestaunen und zu kichern.

Nach der kleinen Erfrischung, und es war bei den Wassertemperaturen wirklich nur eine kleine Erfrischung, und einem großen Nachmittagsessen sind wir dem Ruf der Fledermäuse gefolgt und zu einem Spaziergang zu einer nahen Höhle aufgebrochen, von der wir gelesen hatten, dass dort abends große Mengen Fledermäuse zu ihrem nächtlichen Flug ausschwärmen. Zwar war der Spaziergang in der Abendsonne über die trockenen Reisfelder und mit der spektakulären Bergkulisse sehr nett, Fledermäuse haben wir jedoch keine gesehen. Keine einzige. Was für eine schlechte Ausbeute, wenn man bedenkt, dass wir eigentlich jeden Tag in der Dämmerung Fledermäuse auf ihrem Beutezug sehen. Naja. Dafür waren wir noch kurz in der Höhle. Raphael und ich nur sehr kurz, das Raphael für Expeditionen in dunklen Höhlen mit nur Taschenlampe nicht zu begeistern ist. Philipp und Sandi waren etwas länger drin und haben sich vom Guide den Weg durch die engen Gänge bis in eine große Kammer zeigen lassen. Philipp kam überglücklich und mächtig stolz von seiner Expedition zurück, dass er sich so eine abenteuerliche Kletterei getraut hatte, wo doch die Sprossen der Leitern soooooo (Arme weit, gaaaaanz weit aufgerissen vorstellen) weit aus einander waren.
So wurde aus dem Tag, der etwas holperig begonnen hatte am Ende doch noch ein schöner, nach dem alle zufrieden ins Bett gehen konnten.

Gestern dann endlich der große Fahrradausflug! (Während ich hier sitze und schreibe, werde ich die ganze Zeit von riesigen fliegenden Heuschrecken angegriffen, die Raphael sehr passend Gespenster nennt. Wir hatten ein totes vor der Zimmertür liegen und Raphael meinte mit sehr bedauernder Stimme. Das Gespenst schläft. Das Gespenst ist traurig.... und beim nächsten Mal mit hoch erfreutem und etwas ungläubigem Tonfall: Das Gespenst schläft ja immer noch! Das ist sooo müdäää??!!..?? Na heute wurde das Gespenst weggekehrt und wenn die Dinger nicht aufpassen und mich weiter angreifen, dann hol ich unser Insektenspray und es gibt morgen noch mehr tote Gespenster!) Aber zurück zum Fahrradausflug zur blauen Lagune und einer weiteren Höhle (was sonst!) Ach, das war ein herrlicher Tag. Wir sind ausnahmsweise mal etwas früher losgekommen, so dass wir uns die 6km auf der staubigen und holperigen Schotterstraße nur mit der Vormittagssonne und unseren Leihrädern quälen mussten, was auch wirklich ausreicht. Bei den Leihrädern handelt es sich um knallbunte 24''-Räder ohne Gangschaltung und zumindest bei meinem Exemplar ohne wirkliche Bremse, bei denen die Sattel gaaanz weit nach oben gestellt werden, damit ein durchschnittlicher Mitteleuropäer damit zumindest annähernd fahren kann. Optimale Kraftübertragung und ergonomisches Sitzen eher Fehlanzeige, was aber dadurch wett gemacht wird, dass man auf diesen Rädern als durchschnittlicher Mitteleuropäer einfach nur zum Brüllen komisch aussieht mit viel zu langen Armen und viel zu langen Beinen. Mal wieder die Asiaten klar im Vorteil und klar die elegantere Figur abgebend! Aber wir haben den Hinweg bewältigt. Staub, Hitze, Ergonometrie und vorbeipolternden Tuktuks zum Trotz. Und was für ein herrliches Ankommen ist es nach der staubigen und heißen Fahrt. (Oh Schreck, gerade ist ein Gespenst etwa 3cm von meinem Kopf entfernt gegen die Wand geBRUMMT! Die Dinger können nicht wirklich lenken und landen nur Zufallstreffer. Unter einer Lampe sitzend ist man erstaunlich oft der Zufallstreffer!)

Die blaube Lagune, oh wie herrlich. In der Tat ein unverschämt blau schimmerndes Wasser, darin grün-silberne Fische und weiße Kalksteinfelsen, alles umgeben von dichter, satt-grüner Vegetation. Und als wäre das noch nicht genug, beugt sich ein riesiger Baum über das Wasser, an dessen Ästen eine Schaukel im Wasser sowie diverse Liane und Seile befestigt sind und von dessen waagrechten Ästen man ins tiefe, kühle Wasser springen kann. Ein wirkliches kleines Paradies, gestern am Sonntag zwar gut besucht von einheimischen Familie, trotzdem immer noch eine herrliche Oase und es hat richtig Spaß gemacht, all den Wagemutigen und nicht so Wagemutigen zuzuschauen beim Springen und Schwingen, selbst auf der Schaukel zu sitzen und sich einfach nur im herrlichen Wasser treiben zu lassen. Raphael war mal wieder besonders begeistert und auch mit blauen Lippen kaum aus dem Wasser zu bekommen. Zwischendrin haben wir noch den Aufstieg zur Höhle gewagt. Für unsere Jungs war das wirklich richtiges Klettern, um zum ca. 200m höher gelegenen Höhleneingang zu gelangen. Von der Höhle hatten wir einmal mehr wenig erwartet und wurden so auch einmal mehr überrascht, diesmal mit einem riesigen, kühlen Dom, in den durch mehrere Felsöffnungen Licht herein fiel und in dessen Mitte gut beleuchtet ein goldener Buddha auf einem Bett mit einem orangenen Baldachin ruhte. Ein grandioses Bild! Wir haben das kleine Abenteuer des Abstiegs zum Buddha gewagt, oh, was waren die Jungs stolz, was für tolle Klettermeister sie sind. Nach dem Buddha wäre es noch viel weiter gegangen, allerdings nicht für uns, denn ab dort schien das Abenteuer eine Nummer zu groß für uns zu werden. Statt dessen also der Abstieg, der für uns schwierige genug war, da die Stufen für Raphael einfach viel zu groß waren. Aber mit vereinten Kräften haben wir es nach unten geschafft und wurden unten nochmal belohnt mit einem erfrischenden Bad in der Lagune.

Und als wir uns gerade an den Heimweg machen wollten, stand gerade ein halb leeres Tuktuk zur Abfahrt bereit. Schicksal haben wir gedacht, unsere Räder auf das Dach vom Tuktuk geschmissen und haben die Abendsonne statt mit dem Fahrrad auf der staubigen Straße und hungrig bei einem gemütlichen Abendessen in der Stadt und mit Blick auf die Berge in der Abendstimmung verbracht.
Und wieder ein so schöner und entspannter Tag in Vang Vieng. Mal sehen, wann wir uns aufraffen können, dieser einmalig friedlichen Stimmung den Rücken zu kehren.

Na heute auf alle Fälle erstmal noch nicht, denn heute ging es Sandi wieder richtig schlecht. Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber und unendlich schlapp. Ich habe ihn in der Früh als erstes ins Krankenhaus zum Malariatest geschickt, wo der Arzt aber nur lachte und meinte, es hätte hier seit 5 Jahren keine Malaria gegeben und auch in den Orten, in denen wir zuvor gewesen waren nicht. Der Test, auf den Sandi trotzdem bestanden hat, war negativ, insofern Entwarnung.

Die Jungs und ich haben den Vormittag also wieder hier im Garten bei Schokoladenpfannkuchen, Nudelsuppe und Uno verbracht, während Sandi im Krankenhaus war und im Schatten litt. Mittags wollte ich dann mit den Jungs irgendwo zum Baden gehen und auch Sandi konnte sich aufraffen, uns zu begleiten. So sind wir heute also gleich mit einem Tuktuk zur Blauen Lagune gefahren, Philipp wollte wegen des Volleyballnetzes sowieso nochmal mit seinem eigenen Ball hin (für den stolzen Patenonkel: Philipp kann jetzt dank des Trainings durch seinen Papa schon über das Netz zurück baggern, wofür er große Bewunderung von allen zuschauenden Seiten bekommt), Raphael war gestern noch nicht genug im Wasser gewesen und auch ich war der Vorstellung, noch einen Tag in dem kleinen Paradies zu verbringen, nicht abgeneigt. Sandi hatte heute keinen Meinung, den hätte man überall und nirgends hinbringen können und er lag den gesamten Aufenthalt im Schatten auf einer kleinen Liegeplattform. Diese Liegeplattformen sind eine ganz hervorragende Erfindung der Laoten. Oder vielleicht nicht Erfindung der Laoten, Kultivierung aber, so dass man überall, wo man gegessen, gebetet, gebadet oder gewandert ist/hat, erstmal auf einer erhöhten und überdachten Plattform im Schatten ruhen kann.
Also haben wir Ball gespielt, Fische gefüttert, gebadet, geschaukelt und Klebereis gegessen, während Sandi im Schatten lag. Nicht besonders spannend aber den Umständen entsprechend doch auch ein schöner Tag für uns drei nicht kranke.

Wollen wir hoffen, dass es Sandi morgen besser geht, denn erstens tut er mir leid, wenn er in der Hitze irgendwo rumliegt, zweitens wollen wir ja eigentlich weiter und drittens läuft uns mit jedem Tag, den wir nicht weiterkommen ein bisschen die Zeit weg für all die Ziele, die wir noch gerne vor uns hätten. Aber es kommt wie es kommt und vielleicht sind wir ja übermorgen alle gesund in Luang Prabang.

Und ein gutes hat es: Ich werde morgen früh einen Spaziergang mit den Jungs in den Ort machen, in einer Wifi-Bar ein Bananenshake trinken, dabei all das hier posten und mir danach eine Laos-geeignete, lange Badehose kaufen, weil ich keine Lust habe, immer in ein Tuch eingehüllt oder voll bekleidet baden zu gehen. Das ein oder andere Mal hätte man sehr rücksichtslos auf die Einheimischen sein müssen, im Bikini baden zu gehen, denn in Laos geht man als Frau von den Schultern bis zu den Knien bedeckt ins Wasser. Ist ja auch eigentlich wirklich egal, da das Wasser so herrlich klar ist und man bei den Temperaturen sowieso spätestens nach einer halben Stunde wieder trocken ist.

Also drückt Sandi und uns die Daumen für eine schnelle Genesung, auch wenn es wirklich schlimmere Orte geben könnte, an denen man ein paar Tage hängen bleibt.

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