Oh Vietnam, Du machst es uns nicht leicht...


Bei unserem heutigen Besuch von Danang haben wir es wieder gemerkt. Vietnam macht es einem wirklich nicht leicht. Ständig ist man hin und her gerissen zwischen Faszination dafür, was und wie und wo die Leute essen und leben, was für wundervolle Sachen auf den Märkten angeboten werden, wie unglaublich frisch, vielfältig und bunt die Auslagen der Obst- und  Gemüsestände sind, den Tempeln mit ihren Klängen, Farben und Gerüchen, dem allgemeinen Straßenlärm, dem Trubel und Tohuwabohu, der tagtäglichen Freude über das Auftauchen unserer Kinder, dem Leben auf der Straße, den vielfältigen Möglichkeiten große und kleine Dinge in großer oder kleiner Anzahl auf einem Moped zu transportieren und dem für einen Mitteleuropäer scheinbar nicht zu durchschauenden System, nach dem all dies erstaunlich gut funktioniert und im Gegensatz dazu die Unfreundlichkeit, mit der einem als Ausländer oft begegnet wird (wobei wir da teilweise noch nicht rausgefunden haben und immer noch hoffen, ob da nicht ein grobes Missverständnis vorliegt
aber manche Gesten kann man auch in einem komplett anderen Kulturkreis nicht positiv deuten), dem ständigen Feilschen und der Selbstverständlichkeit, mit der darauf beharrt wird, dass ein Ausländer nunmal den x-fachen Preis zu zahlen hat. Dies kann der doppelte Preis sein, mit demman ja meist sogar zufrieden wäre, manchmal scheint es sich aber bis zum zehnfachen Preis zu
steigern, was zwar immer noch nicht viel ist, einen aber schlicht und einfach ärgert. Durch unsere Afrikaerfahrungen sind wir in Sachen Feilschen und mit den Versuchen übers Ohr gehauen zu werden sicher nicht ganz unerfahren, in Afrika jedoch wurden diese Versuche irgendwie mit mehr Charme und stets mit einem Lächeln angegangen. Und wenn jemand erkannte, dass man den wirklichen Preis kennt, dann waren die Verhandlungen meist auch beendet, so nach dem Motto 'Versuchen kann man's ja mal'. Hier wird in der Regel recht unfreundlich und harsch auf den überzogenen Preis bestanden, was dann damit endet, dass man eben gar nichts dort kauft und der Verkäufer weder den überhöhten noch den angemessenen Preis erhält und wir unsere Sachen woanders kaufen – sehr gerne in Supermärkten mit ausgezeichneter Ware.  chade eigentlich.
Zwischen dieser totalen Herzlichkeit, dem Lachen und der Freude angesichts einer westlichen Familie mit zwei Kindern und dieser knallharten und so berechnenden Unfreundlichkeit und Unehrlichkeit scheint auch fast nichts zu liegen. Kaum dass man auf der Straße jemand nach etwas fragen kann und eine absolut selbstlose und korrekte Antwort bekommt. Auf unserer Rückfahrt von Danang wollten wir heute den Bus nehmen, da dieser eigentlich recht komfortabel in die Nähe unserer Unterkunft fährt. Wir hatten gerade einen Bus verpasst und wussten nicht so recht, wie häufig der Bus fährt. Ein diesmal sehr netter Herr hat uns dann die Auskunft gegeben, dass die Busse alle zwanzig Minuten und bis 19.00 verkehren. Gut dachten wir, dann wird der nächste Bus also in spätestens zwanzig Minuten kommen und stellten uns an die Haltestelle, wo sofort drei Taxis hielten, die uns befördern wollten und steif und fest behaupteten, dass der Bus nur bis 17.00 fährt und wenn wir zurückkommen wollten, müssten wir ein Taxi nehmen. Ich erklärte darauf, dass wir wüssten, dass die Busse bis 19.00 Uhr fahren und bedankte mich für das Angebot mit dem Taxi. Also Sandi dann zwei Minuten später aus einem Laden kam, versuchten sie bei ihm das gleiche nochmal. Hallo? Während der Diskussion, auf die sich Sandi eingelassen hat, kam dann der Bus. Und war das den Taxifahrern peinlich oder unangenehm? Nein, warum auch?
Aber nun genug gemeckert, Danang ist eigentlich ein nettes Städtchen am Fluss mit einer ganz netten Promenade, netten Cafes und für Hanoi-Verkehr-Erprobte auch in Sachen Fortbewegung ein Kinderspiel. Auf unserem Weg in die Stadt hatten wir leider die falsche Haltestelle für unseren Ausstieg erwischt und sind so mal wieder in einem Park gelandet, in dem ebenfalls ein recht passabler Vergnügungspark untergebracht ist. Aber auch hier durften wir uns nicht vergnügen, auch hier alles zu. Wir sind auch wirklich immer zur falschen Zeit am falschen Ort! Es hätte auch wirklich verwegene Fahrgeschäfte gegeben. Da hätte man sich für die Wies'n noch die ein oder andere Anregung holen können. Da wir aber nicht planen in nächster Zeit ein Fahrgeschäft auf der Wies'n zu eröffnen war es halb so schlimm, das alles zu war.
Nächster offizieller Programmpunkt war der Bahnhof. Bei der Ankunft hatten wir nur sehr flüchtig gesehen, dass dort eine große Dampflok auf dem Bahnhofsvorplatz steht. In einer sehr gepflegten Anlage mit Bonsais und Rasen und einer schönen Fahne mit Hammer uns Sichel. Irgendeine Bedeutung scheint diese Lokomotive zu haben, denn sonst würde sie nicht in so gepflegtem Zustand in so einer gepflegten Anlage stehen. Naja, Philipp und Raphael standen ehrfürchtig davor, haben die Anzahl der Achsen von Lok und Tender studiert und sich gefragt, wo denn der Lokführer ist, der die Lok dann wegfahren soll. Raphael kam dann zu dem Schluss, dass die Lok müde ist und
deshalb nicht mehr fährt. Da hat er ja auch irgendwie Recht. Als nächstes stand die Mission Supermarkt auf der Agenda. Wir brauchten Windeln, Mückenrepellent, endlich mal zwei Schüsseln, USB-Sticks und Schokolade. Ersteres und letzteres haben wir glücklicherweise bekommen, der Rest war nicht so wichtig. Schokolade ist hier echt ein sehr seltenes Gut. Ich habe noch nie so wenig Schokolade gegessen wie seit wir Hongkong verlassen haben. Und seit wir in Vietnam sind, essen wir nichtmal mehr Buns und Dumplings wie in China noch, was dazu führt, dass ich jeden Tag eine Cola trinke, um mich ausreichend mit Zucker zu versorgen. Zu Hause trinke ich im Jahr keine drei Dosen Cola und hier schaff ich das glatt in zwei Tagen. Dafür futtern wir hier Berge an Blattgemüse. Sicher wertvoll aber eine gute Tafel Ritter Sport Marzipan kann so ein Blattgemüse dann doch nicht ersetzten. Und was noch in Danang? Ein bisschen rumlaufen, ein Tempel, dessen Zuordnung zu einer Religion uns nicht ganz gelungen ist, Spät-Mittagessen auf einem Balkon im zweiten Stock über der Hauptstraße, allein das schon sehenswert genug, schlendern um den Markt und eine rasante Busfahrt zurück. Bis jetzt  unktionierte in allen Städten auf der Welt, in denen wir mit Bussen gefahren sind das ganze so: Bus hält an, Türen öffnen sich, Leute steigen aus, Leute steigen ein, wenn alle eingestiegen sind schließen sich die Türen und der Bus fährt mit landestypischem Fahrstil und mehr oder weniger angemessener Geschwindigkeit weiter. In Danang funktioniert das so: Bus rast mit unangemessener Geschwindigkeit heran. Winken. Bus bremst (Sandi reicht mir gerade ein heute gekauftes Kitkat! Das muss ich schnell inhalieren. Und schwupp isses weg) der unangemessenen Geschwindigkeit entsprechend stark und abrupt. Türen sind schon auf. Zwei Einsteighelfer verfrachten schneller als man überlegen kann, wieviele Gegenstände und Kinder man überhaupt in den Bus verfrachten muss, alle mitgeführten Gegenstände und Kinder in den Bus. Während der Bus anfährt, werden erwachsene Fahrgäste die Stufen nach oben geschoben. Einsteigehelfer springen auf den fahrenden Bus, stehen während der Fahrt auf dem Trittbrett und bespaßen von außen am Fenster sitzende Kinder. Fahrt geht weiter in rasantem Tempo. Türen bleiben währenddessen offen. In Kurven und bei Halten GUT festhalten. Ausstieg rechtzeitig  nkündigen. Weiterhin gut festhalten. Alle mitgeführten Gegenstände und
Kinder schnappen und sich allesamt vom Einsteigehelfer, welcher nun eine Aussteigehelfer ist, vor die Tür werfen lassen. Schnell wegtreten. Bus in der Ferne kaum noch erkennen, wenn sich die Staubwolke gesenkt hat. Ein  rlebnis. Und dass die Achterbahn zu war stört dann auch noch kaum, denn mit so einer Busfahrt kommt man günstiger zum gewünschten Adrenalinkick. Morgen auf dem Programm: Die Marble Mountains. Schon heute haben wir viel Marmor gesehen, vornehmlich in Form von gigantischen bis nicht so gigantischen Buddhas oder lebensgroßen Pferden, aber dazu morgen mehr.

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