Aaaab in den Süden..........!

Mittlerweile haben wir es also bis nach Danang geschafft, ein gutes Stück die Küste runter.
Nachdem wir hin und her überlegt hatten, wie wir Laos und Vietnam unter einen Hut kriegen, dabei
möglichst wenig Monsun abkriegen und fahrtechnisch nicht in die total Hölle kommen, sind wir zu
dem Entschluss gekommen, mit dem Zug ein gutes Stück nach Süden zu fahren, von hier rüber nach
Laos, in Laos nach Norden und dann dort weiterzuschauen. Nicht zu weit voraus planen, am Ende
kommt sowieso alles anders als geplant. Wahrscheinlich ist es uns in Laos jetzt nicht zu nass, dafür
zu heiß, denn jetzt ist dann gerade die heiße Zeit. Hier wird ja klimatechnisch nicht nach vier
Jahreszeiten unterschieden sondern nach drei: kühle Zeit, heiße Zeit und Regenzeit.
Eigentlich wollten wir mit dem Bus von Hanoi direkt nach Nord-Laos, eine Route die sich absolut
spektakulär und interessant anhört, leider aber nicht gerade schnell und komfortabel, zwei Faktoren,
die wir für uns zwar gerne in Kauf genommen hätten, den Kindern aber nicht zumuten möchten.
Und bei langen Fahrten sprechen wir hier auch schnell von 24 bis 30 Stunden in einem Bus. Und 30
Stunden in einem Bus mit Raphael? Hmmm, nein! Da hören sich doch 16 Stunden Nachtzugfahrt
gleich super attraktiv an, auch wenn es im Zug alles andere als attraktiv war. Die Softsleeper-Klasse
war ausgebucht und nur noch Hardsleeperplätze verfügbar. Und Hardsleeper halten, was der Name
verspricht. Das ganze gewürzt mit einem vollen Abteil mit 4 weiteren Personen, einer Klimaanlage,
die auf Orkan gestellt ist, zwei Kindern, die nachmittags auf einer Busfahrt lange geschlafen hatten
und als ganz besondere Note die ein oder andere Kakerlake oben drauf, die die Wände neben den
Betten erkundet und von der man hofft, dass es sie nicht nachts auch lockt, die Hosenbeine oder die
Provianttasche zu entern. Aber auch das haben wir überlebt, irgendwann nach etlichen Folgen Bob
der Baumeister und Thomes und seine Freunde haben die Jungs auch geschlafen und das dann auch
recht lange, und ganz irgendwann haben sogar wir geschlafen, alle halbe Stunde geweckt von einer
schmerzenden Hüfte oder einem abgefrorenen Arm, kurzer Positionswechsel, Arm auftauen, nicht
über die Kakerlaken nachdenken und weiter schlafen...
Die Entschiedung für Danang als Ziel war hauptsächlich beeinflusst von Sandis Wetterstudien. Das
Ziel, das wir lieber zuerst angepeilt hätten, wäre Hue weiter nördlich gewesen aber dort war das
Wetter noch schlecht und von grau in grau und frieren hatten wir jetzt wirklich die Schnauze voll.
Wir hatten seit Hongkong eigentlich keine Sonne gesehen bis auf einen Tag in Hanoi und einen Tag
auf der Zugfahrt von Guilin nach Nanning.
Die Ankunft hier in Danang ist ja nach einer Woche in Hanoi sowas von entspannt. Der Bahnsteig
ist von vorne bis hinten vollgestopft mit Ständen und Läden, die alles verkaufen, was man
möglicherweise auf einer Zugfahrt brauchen könnte (hartgekochte Eier, Chips, Getränke, Kekse,
Hühner gebraten, gekocht, gegrillt, Zigaretten, Spielzeug, Souvenirs, Kaffee, Zeitungen,
Steinbuddhas, Schmuck oder Sonnenbrillen) und keiner, der einem mehr oder weniger freundlich
etwas andrehen möchte, es gibt Straßen, die breiter sind als der darauf spärlich fließende Verkehr
und der Kaffee kostet nur noch ein Viertel von dem, was er in Hanoi gekostet hat.
Hier wohnen wir jetzt in einem Guesthouse am Strand, dem China Beach, zwischen den Orten
Danang und Hoi An, beide Orte müssen noch angesehen werden. Ob wir das von hier mit
Tagesausflügen machen oder nochmal umziehen nach Hoi An, das wissen wir noch nicht. Aber
gestern und heute waren wir erst mal faul und haben den Jungs zwei volle Tage am Strand gegönnt.
Die beiden waren die letzten Tage und Wochen ganz schön tapfer und brav und geduldig, da haben
sie sich mal zwei absolut stress- und fahrfreie Tage verdient, auch wenn mir nach zwei Strandtagen
schon so langweilig ist, dass ich darauf gedrängt habe, dass wir morgen unbedingt nach Danang
fahren müssen. Müssen wir auch wirklich, denn unsere Windeln gehen aus
Standleben hier ist irgendwie sehr witzig. Es gibt zwei kleine Restaurants am Strand, auf deren
Speisekarten sich Fisch, Meeresfrüchte und Frösche tummeln. Meeresfrüchte soweit probiert waren
sehr gut, an die Frösche haben wir uns noch nicht gewagt. Aber ich bin mir sicher, Sandi wird heute
so mutig sein...
Ansonsten kommen die Vietnamesen gern in verschieden großen Gruppen, um sich am Strand zu
vergnügen: Schulklassen, die offensichtlich ihren Schulsport am Strand absolvieren, kleine Busse
mit Reisegruppen, die ausgespuckt werden, in den Restaurants essen und wieder in den Bus steigen,
ohne überhaupt einen Fuß in den Sand gesetzt zu haben, kleine Grüppchen von Mädchen, die in
voller Montur, sprich mit Pulli, Jeans und breitkrempigen Hüten in der Brandung Sandburgen bauen
und plötzlich wieder weg sind und Familien, die eigentlich nur ihre Füße ins Wasser halten wollen,
sich zu weit in die Brandung wagen und dann – oh Überraschung – von einer großen Welle
komplett überspült werden und von Kopf bis Fuß nass sind – allerdings auch voll angezogen.
Scheint aber niemand zu stören, ganz im Gegenteil, warum auch, ist ja immer schön warm hier. Und
dann sind da so komische Leute wie wir, die in Badehose und Bikini anrücken, sich mit
Sonnencreme einschmieren und unter den Sonnenschirm hocken. Vielleicht ist diese
Langhosenmethode gar nicht so blöd. Man spart sich die Sonnencreme und den Schirm... und erregt
wahrscheinlich auch weniger Aufsehen, wobei Aufsehen erregen wieder mal nicht wir sondern die
Jungs, die gestern von einer ganzen Schulklasse absorbiert und nicht wieder ausgespuckt wurden,
wobei man ja verstehen kann, wenn die Kinder wie wild auf die Jungs zustürmen, wenn allerdings
die Lehrerin die hysterischste von allen ist, Raphael so erschreckt, dass er vor Angst zu weinen
anfängt und man ihn dann noch nicht loslässt, um ihn zu seiner Mama gehen zu lassen, dann fehlt
da doch das Verständnis. Raphael hat sie hinterher mit bösen, bösen, extrabösen Voodoo-Blicken
gestraft. Und das kann er wirklich gut. Bestimmt hat sie heute Migräne oder Rückenschmerzen oder
beides...
Die beiden hatten gestern und heute aber eigentlich einen Heidenspaß. Wir haben ja kein
Sandspielzeug dabei (wobei wir das ändern und jedem zumindest eine Schaufel organisieren
wollen) und die beiden, insbesondere Raphael, waren stundenlang damit beschäftigt, unsere
Badelatschen und ihre Crocs als Loks durch den Sand zu schieben und mit Stöcken, die ihre
Steckenpferde sind, über den Strand zu galoppieren. Und dann mussten wir natürlich Muscheln und
Schnecken sammeln (Philipp macht da einen sehr genauen Unterschied, obwohl ihm den niemand
erklärt hat), Ball spielen und versuchen Raphael klar zu machen, dass wir es immer noch nicht
lustig finden, mit Sand bombardiert zu werden und dass wenn er schon Sand werfen muss, den doch
bitte sich selbst in die Haare zu schmeißen und nicht allen anderen. Genützt hat es nix, wir mussten
alle ziemlich gründlich Haare waschen und auch das hat nicht wirklich was genützt und es ist
immer noch alles sandig.
So, ich glaube, dann ist auch genug geschrieben über zwei Tage, an denen eigentlich so ganz und
gar nichts passiert ist außer essen und am Strand hocken....
Morgen Danang!

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